Veranstalterinterview

Daten-Kongress in der Mozartstadt mit spannenden Diskussionen

AUSTRIAN CONVENTION BUSINESS MAGAZIN (PRINT 2023/04)

Die International Data Week fand erstmals in Europa statt – wieso die Wahl auf Salzburg fiel und was die besonderen Herausforderungen waren, darum geht es im aktuellen Veranstalterinterview

Sie bildete eines der Highlights 2023, nicht nur im Salzburger Kongressgeschehen, sondern auch in jenem von Europa: die International Data Week (IDW), die Ende Oktober als „Festival der Daten“ im Salzburg Congress stattgefunden hat und damit gleichzeitig auch erstmals in Europa. Es gab neben großen Plenarsitzungen rund 80 Parallel-­Sessions und eine Posterausstellung mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. An Land gezogen hatten diesen Wissenschaftskongress, bei dem sich alles um Daten dreht, der Salzburg Congress, das Salzburg Convention Bureau und die Fakultät für Digitale und Analytische Wissenschaften (DAS) der Paris Lodron Universität Salzburg (PLUS).

Der Kongress wird von den drei weltweit agierenden Organisationen Committee on Data (CODATA), World Data System (WDS) des International Science Council (ISC) sowie der Research Data Alliance (RDA) organisiert und gilt als wegweisende Veranstaltung. Als lokaler wissenschaftlicher Host bzw. Veranstalter fungierte die DAS-Fakultät mit Dekan Univ.-Prof. Dr. Arne Bathke, der zusammen mit Univ.-Prof. Dr. Josef Strobl, Leiter des Fachbereichs für Geoinformatik – Z_GIS an der Universität Salzburg, und Dr. Bernhard Zagel, leitender Wissenschaftler und Abteilungs­leiter am Z_GIS, sowie der WDS-Managerin Meredith Goins, dem CODATA-Executive Director Simon Hodson und der RDA-General­sekretärin Hilary Hanahoe das Organisations-Komitee bildete.

Bisher fanden drei IDW-Ausgaben statt: Ihre Premiere hatte die IDW 2016 mit 840 Daten­expert:innen und Forscher:innen aus der ­ganzen Welt in Denver, Colorado, in den USA. Zwei Jahre später war die Hauptstadt von Botswana, Gaborone, an der Reihe (mehr als 850 Delegierte reisten damals nach Afrika). Dann sorgte Corona für eine Pause, weshalb die IDW 2022 um ein Jahr verschoben erstmals als Hybrid-Meeting abgehalten wurde: Es gab 827 Teilnehmer:innen aus 50 Ländern, doch nur 182 von ihnen nahmen vor Ort in Seoul teil, 645 entschieden sich für die virtuelle Variante.

Es waren also keine einfachen Voraussetzungen für Arne Bathke und Bernhard Zagel, die IDW 2023 erfolgreich über die Bühne zu bringen. Das AUSTRIAN CONVENTION BUSINESS MAGAZIN bat Dr. Bernhard Zagel um ein Interview.

ACB MAGAZIN: Wie kam es zur Wahl von Salzburg als Austragungsort der IDW 2023?

Dr. Bernhard Zagel: „Der Erstkontakt mit dem Veranstalter fand laut Heidi Strobl vom Salzburg Convention Bureau 2016 in Paris statt. Das Bidding bei der IDW ist dann 2018/19 angelaufen, als der Kongress für 2021 und 2023 ausgeschrieben wurde. Wir haben dann gemeinsam mit dem Salzburg Convention Bureau und dem Salzburg Congress die Bewerbung geschrieben. Es reicht nicht, dass es nur einen Austragungsort gibt, sondern es braucht für wissenschaftliche Kongresse wie der IDW eine Universität. Das ist bei uns gegeben. Und das war auch der Grund, warum man zu Prof. Arne Bathke – er ist Data Science-Spezialist – und mir als Geoinformatiker gekommen ist.“

ACB MAGAZIN: Welche Faktoren waren für den Zuschlag von Salzburg letztendlich ausschlaggebend?

Dr. Bernhard Zagel: „Die IDW war davor in den USA, in Botswana und in Südkorea. Die Veranstalter wollten den Kongress auch einmal nach Europa holen. 2025 ist dann Durban in Australien an der Reihe. Es war also einerseits eine geografische Entscheidung. Für Salzburg waren das Kongresszentrum, unser Background und der kulturelle Rahmen entscheidend sowie sicher auch das gute Preis-Leistungs-Verhältnis.“

ACB MAGAZIN: Seit Seoul 2022 wird die IDW als Hybrid-Meeting durchgeführt. Welche besonderen Herausforderungen bestanden diesbezüglich für Sie und das Salzburger Organisations-Team?

Dr. Bernhard Zagel: „Es war tatsächlich eine Herausforderung. Denn als wir uns 2019 für die Austragung des Kongresses angeboten haben, war das Wort ‚hybrid‘ in der Branche noch kaum ein Thema. Das hat sich dann durch die Pandemie geändert. An der IDW in Seoul waren nur 182 Delegierte vor Ort und 645 online mit dabei. Da ich an der Universität in Salzburg arbeite, kenne ich diese Krux der hybriden Meetings. Man muss zwei Welten bedienen und kann einen Kongress vor Ort damit aber auch stark schwächen. Deshalb mussten wir abschätzen, wie es bei uns sein wird und ob die Leute wieder reisen werden … Wir hatten ja 2022 noch einige Lockdowns. Die drei Organisationen, die die IDW mitbetreuen, wollten aber, dass alle Welt den Kongress mitverfolgen kann.“

ACB MAGAZIN: Wie haben Sie den hybriden Spagat dann bewältigt?

Dr. Bernhard Zagel: „Sehr gut. Wir haben täglich acht parallele Sessions gestreamt, inklusive Diskussionen. Als Plattform verwendeten wir die Event-Software von Whova, die für tausende Veranstaltungen auf der ganzen Welt genutzt wird. Das Ergebnis: Wir hatten fast 700 Leute vor Ort und knapp 200, die ausschließlich online teilnahmen. Gäste aus Low-Middle-Income Countries waren allerdings auch online nicht so intensiv auf dem Kongress, wie sich das die IDW gewünscht hat. Da hätte es große Sponsoren gebraucht, die für diese Zielgruppe die Kosten komplett übernehmen oder die Virtualisierung komplett finanzieren. Die drei Organisationen hinter der IDW, also die WDS, CODATA und RDA, werden sich da für die Zukunft etwas überlegen müssen.“

ACB MAGAZIN: Welchen Stellenwert nahm bei der IDW 2023 das Rahmenprogramm ein (von der Music Reception & Networking in der Salzburger Residenz bis zum Bar Hopping Event) und wie wurde es wahrgenommen?

Dr. Bernhard Zagel: „Die schönsten Rückmeldungen gab’s für das Mozart-Konzert in der Alten Residenz. Das hat das Publikum begeistert und es war sicher ein Highlight. Man kann eben mit historischen Gebäuden und dem richtigen Programm gutes Wetter machen. Das ist sicher ein Österreich-Spezifikum. Auch das Bar Hopping hat mit sehr gut gefallen. Die Idee bestand darin, die Gastronomie rund um den Salzburg Congress in das Veranstaltungsgeschehen aktiv zu integrieren. An den Eingängen der Lokale prangte ein Logo mit der Aufschrift ‚IDW delegates welcome‘ … da geht man, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, mit Kongressteilnehmer:innen leichter hinein.“

ACB MAGAZIN: Entsprach die IDW 2023 Ihren Vorstellungen als „Festival der Daten“ oder gab es Punkte bzw. Themen, die Sie als verbesserungswürdig ansehen?

Dr. Bernhard Zagel: „Eigentlich nicht. Salzburg Congress ist schon einmal ein Top-Veranstaltungsort mit Profis in allen Bereichen. Es gab wie gesagt an allen vier Tagen ein vielfältiges Programm mit täglich acht Parallelsessions von 8:30 bis 18:30 Uhr, dazu jeden Tag eine Plenary Session sowie Pre- und Post-Veranstaltungen für Arbeitsmeetings in kleineren Gruppen. Inhaltlich hatten wir also alles abgedeckt. Interessant waren, da das Publikum so breit war – von Psycholog:innen bis zu Jurist:innen, von Soziolog:innen bis zu IT- oder Rechenzentrums-Leiter:innen – die vielen spannenden Diskussionen. Das Publikum war sehr lebendig.“

ACB MAGAZIN: Zum Schluss noch eine Frage zu dem Thema, um das sich die IDW letztendlich drehte: Welche Empfehlungen würden Sie den Leser:innen bezüglich KI (Künstliche Intelligenz), maschinelles Lernen etc. geben?

Dr. Bernhard Zagel: „Neben Themen wie Standardisierung, Personalisierung, Datenschutz und Ethik war auch KI ein Thema, weil es aktuell überall hineinspielt und viele Themenfelder berührt. Ich denke, um KI und maschinelles Lernen auf die Straße zu bringen, braucht es zuallererst einmal Daten und zwar Daten nach dem FAIR Prinzip, also ‚findable‘, ‚accessible‘, interoperable‘ und ‚reusable‘. Das war bisher oft der Flaschenhals. Wir brauchen Daten und auch neue Modelle, um KI in neue Anwendungsfelder zu bekommen. Dazu muss aber ein entsprechendes Regelwerk miteinbezogen werden. Als Beispiel bringe ich immer den täglichen Wetterbericht. Kaum jemand hinterfragt, wie die Wetter-App auf dem Smart­phone funktioniert. Meteorolog:innen sind vielen Naturwissenschaftler:innen voraus, deshalb braucht es nicht nur für sie, sondern für alle Bereiche Daten, Messreihen und Parameter. Maschinelles Lernen und KI waren schon gefühlt in meteorologischen Modellen drin, als es diese Begriffe noch nicht gab.“

Salzburg Congress

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