Internationale Kongress-Statistiken

Statistik „neu erfunden“, alles ist anders! ICCA und UIA legen Zahlen für 2020 auf den Tisch

AUSTRIAN CONVENTION BUSINESS MAGAZIN (ONLINE 26/08/2021)

Bitte warten, zumindest bis September 2021. So lautet das Motto für all jene in der internationalen Convention-Branche, die mit großem Interesse die Jahres-Statistiken der Union of International Associations (UIA) und der ICCA (International Congress and Convention Association) verfolgen. Denn die UIA beschränkte ihren 62. Bericht über die internationalen Tagungsstatistiken vorerst auf eine allgemeine Grafik, während die ICCA ihre Statistik laut ihrem CEO Senthil Gopinath „neu erfunden“ hat: der Bericht 2020 beinhaltet kein Ranking mehr, sondern eine „ganzheitlichere und genauere Darstellung der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf den weltweiten Verbandstagungsmarkt.“ Wie Österreich, Wien sowie die großen Landeshauptstädte Salzburg, Innsbruck, Graz und Linz abgeschnitten haben, geht daraus nicht hervor.

Mit zu der abgeänderten Form der ICCA-Statistik hat auch der durch Covid-19 beschleunigte Trend zu virtuellen und hybriden Meetings. Es wurden deshalb laut Senthil Gopinath „neue Kategorien hinzugefügt, um das gesamte Spektrum der Lösungen abzubilden.“ Der Wunsch der Branche sei aber „stark, zu persönlichen Meetings zurückzukehren. Sie werden wiederkommen“, ist der ICCA-Chef überzeugt. In der Zwischenzeit hätten aber „virtuelle und hybride Veranstaltungen den Verbänden geholfen, ihr Publikum zu erweitern und die Mitglieder für ihre Aktivitäten zu begeistern.“

Extrem niedrige Rücklaufquote, schwere Suche

Insgesamt wurden laut ICCA-Statistik 8.409 einmalige Veranstaltungen ermittelt, die 2020 entweder stattfanden oder geplant waren und verschoben wurden. Im 2019er Bericht lag die Zahl der einmaligen Veranstaltungen noch bei 13.252. Dieser deutliche Rückgang um -36,5% lässt sich laut Senthil Gopinath „zum Teil dadurch erklären, dass zahlreiche Veranstaltungswebseiten infolge der Pandemie vorzeitig offline genommen oder gar nicht erst eingerichtet wurden.“ Es war dadurch schwierig, die Veranstaltungen für 2020 zu ermitteln.

Eine weitere Hürde bei Erstellen der Statistik stellte die Tatsache dar, dass die meisten Konferenzveranstalter die Websites für verschobene oder abgesagte Konferenzen und Kongresse 2020 mit neuen Terminen oder Veranstaltungsorten für künftige Jahre aktualisiert haben. Die Suche nach diesen Konferenzen sowie nach deren ursprünglichen Terminen 2020 wurde dadurch massiv erschwert. Senthil Gopinath: „Dies bedeutete leider, dass die Rücklaufquote in den Veranstaltungsorten im Vergleich zu den Vorjahren extrem niedrig war.“

Virtuelle Meetings waren 2020 im Vormarsch

Aus den nun vorliegenden Rückmeldungen und Recherchen geht aber hervor, dass 2020 die meisten Veranstaltungen verschoben wurden (44%). Virtuelle Tagungen sind im Gesamtjahr zum zweitgrößten Segment geworden (30 %), in den letzten beiden Monaten des Jahres 2020 sogar zum größten. Abgesagt wurden 14% der Tagungen.

Den geringsten Prozentsatz an verschobenen bzw. abgesagten Meetings weist der Mittlere Osten auf (49%). Dies bedeutet, dass 51% aller Meetings im Jahr 2020 entweder nicht betroffen waren (19%) oder virtuell (29%), verlegt (2%) oder hybrid (1%) stattfanden.

Nordamerika kam auf 50% abgesagter oder verschobener Veranstaltungen und erreichte den höchsten Prozentsatz an virtuellen Meetings (39%).

Europa schnitt da deutlich schlechter ab. 60% aller Meetings wurden verschoben oder abgesagt. Die Zahl virtuell abgehaltener Veranstaltungen erreichte 30% und damit den weltweit zweithöchsten Wert.

Unterschiedlicher Zugang von ICCA und UIA

Während die ICCA in ihrer Statistik ausschließlich Veranstaltungen ab 50 Teilnehmer*innen erfasst,

  • die von internationalen Verbänden veranstaltet werden,
  • zwischen mindestens drei Ländern rotieren sowie
  • zumindest bereits dreimal abgehalten worden sind,

fließen bei die Aufstellung der UIA Meetings von internationalen Organisationen und Gesellschaften in die Statistik ein,

  • die mindestens 3 Tage dauern und
  • über 300 TeilnehmerInnen vorweisen können,
  • von denen mindestens 40% aus dem Ausland kommen und
  • wenigstens fünf verschiedene Nationen repräsentieren.

Die Daten in dem Bericht 2020 stammen laut UIA aus ihrer Datenbank, der Quelle des Internationalen Kongresskalenders und des Jahrbuchs der internationalen Organisationen. Laut UIA Statistics Coordinator Joel Fischer sanken die Daten gegenüber der Vorjahresstatistik aufgrund der Auswirkungen der Pandemie auf das Verbandsleben, die Reisetätigkeit und öffentliche Versammlungen drastisch um etwa 3000 Tagungen von 15.000 auf 12.000. Wie viele davon abgesagt, verschoben oder in welcher Form auch immer (virtuell oder hybrid) durchgeführt wurden, dazu gibt es noch keine Aussagen.

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